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Enteignung als politisches Signal bleibt wirkungslos gegen die strukturelle Wohnraumkrise

04. Oktober 2026

Enteignung verlagert das Problem und verunsichert Investoren

Die jüngste Wahlsiegerin in Berlin hat mit der Forderung nach Enteignungen großer Wohnkonzerne einen Nerv getroffen. Doch hinter dem lauten politischen Versprechen steckt wenig, das langfristig für Mieterinnen und Mieter hilft. Statt neuer Wohnungen oder sinkender Preise droht ein Verlagerungseffekt, der die Stadt ökonomisch schwächt und Investoren vertreibt.

Der Immobiliensektor reagiert bereits: Aktienkurse großer Wohnungsgesellschaften notieren deutlich unter ihrem Buchwert, ein Indiz dafür, dass der Kapitalmarkt politische Risiken einpreist. Für viele Anleger ist das Signal klar: ein schärferer Regulierungsrahmen macht Investitionen in Berlin weniger attraktiv. Das betrifft nicht nur große Fonds, sondern auch mittelständische Käufer und Bauherren, von deren Engagement neuer Wohnraum abhängt.

Ein Blick auf die Zahlen relativiert zudem die gängige Erzählung von extrem überhöhten Durchschnittsmieten. Nach Angaben der Unternehmen und städtischer Daten liegt die Durchschnittsnettokaltmiete bei großen Vermietern in Berlin im einstelligen Bereich, wohingegen Neubauten in beliebten Lagen deutlich höhere Mieten erreichen. Internationale Vergleiche, die Kaufkraft und Einkommensverhältnisse berücksichtigen, zeigen zudem, dass Berlin im Mittelfeld liegt und sich von Metropolen wie Wien oder London unterscheidet.

Erfahrungen mit strikten Mietregulierungen im In- und Ausland liefern wichtige Lehren. Modelle wie strenge Mietdeckel führen häufig zu einer Verknappung des Angebots: Bestandwohnungen werden schwerer zu finden, Neubauprojekte verteuern sich, und Investitionen verlagern sich in andere Regionen. Die Folge kann sein, dass kurzfristig nominale Preise stagnieren, langfristig aber Angebot und Qualität leiden.

Für Berlin bedeutet das: Enteignungen würden zwar als klares politisches Signal dienen, schaffen aber keinen zusätzlichen Wohnraum und können bestehende Probleme verschärfen. Stattdessen braucht die Stadt ein Bündel aus beschleunigter Planung, gezieltem öffentlichen Neubau, Anreizen für bezahlbaren Wohnungsbau und sozialen Maßnahmen, die Mieterinnen und Mieter direkt unterstützen. Diese Mischung wäre weniger spektakulär, aber vermutlich wirksamer.

Berlin steht an einem Scheideweg. Populäre Forderungen haben politisches Gewicht, doch die Lösung der Wohnungsfrage verlangt nüchterne ökonomische Analyse und langfristiges Handeln. Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft müssten gemeinsam an konkreten Bau- und Förderinstrumenten arbeiten, wenn bezahlbarer Wohnraum nicht nur Wunsch, sondern Wirklichkeit werden soll.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: t-online.de



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